Medizinisch Informativ

Magendrehung beim Hund

Autorin: Helena, Veterinärmedizinerin August 2026

Eine Magendrehung beim Hund ist ein lebensbedrohlicher Notfall, der schnelles Handeln erfordert. Typisch sind plötzliche Unruhe, ein sichtbar aufgeblähter Bauch und erfolgloses Würgen, ohne dass etwas hochkommt. Wenn du diese Kombination siehst, fährst du sofort in die nächste Tierklinik und rufst unterwegs an. Es gibt keine Erste-Hilfe-Maßnahme zu Hause, die eine Magendrehung löst, und trotz Behandlung liegt die Sterblichkeit bei 10 bis 33 %.

In diesem Artikel erhältst du einen umfassenden Überblick über die Ursachen, Symptome und Präventionsmaßnahmen dieser Erkrankung. Dabei erfährst du nicht nur, wie du im Ernstfall richtig reagierst, sondern auch, welche vorbeugenden Maßnahmen tatsächlich belegt sind und welche nur gut klingen.

Das Wichtigste zusammengefasst:

  • Notfall ohne Ausnahme: Bei Verdacht sofort in die Klinik. Jede Stunde verschlechtert die Prognose.
  • Leitsymptom-Trio: plötzliche Unruhe, aufgeblähter Bauch, erfolgloses Würgen ohne Erbrechen.
  • Nur eine Operation hilft. Es gibt kein Hausmittel, keine Tablette und keine Lagerung, die den Magen zurückdreht.
  • Sterblichkeit: 10 bis 33 % trotz Behandlung. Der wichtigste Einflussfaktor ist die Zeit bis zur Klinik.
  • Ohne Gastropexie kommt eine Magendrehung bei bis zu 80 % der Hunde wieder, mit einer wirksamen Gastropexie bei unter 5 %.
  • Belegte Risikofaktoren: große Rassen mit tiefem Brustkorb, Verwandte mit Magendrehung, ängstliches Wesen, große Einzelportionen, Fütterung nur einmal täglich und hastiges Fressen.
  • Keine Ernährungsform verhindert eine Magendrehung. Die Fütterung beeinflusst das Risiko, senkt es aber nie auf null.

Was ist eine Magendrehung beim Hund?

Bei der Magendrehung beim Hund dreht sich der Magen um seine eigene Achse, was zu einer Unterbrechung der Blutzufuhr und einem gefährlichen Druckaufbau führt. Diese Situation ist extrem kritisch, da sie die Durchblutung der inneren Organe beeinträchtigt und ohne sofortige Behandlung oft tödlich endet. Besonders bei tiefbrüstigen Hunden tritt dieses Phänomen häufiger auf.

Was dabei genau passiert, macht die Dringlichkeit verständlich. Der Magen füllt sich mit Gas und bläht sich auf. Durch die Drehung sind Ein- und Ausgang verschlossen, das Gas kann weder nach oben noch nach unten entweichen. Der aufgeblähte Magen drückt auf die große Hohlvene, der Rückfluss des Blutes zum Herzen bricht ein, und es entsteht ein Schock. Gleichzeitig wird die Magenwand nicht mehr durchblutet und beginnt abzusterben. Auch die Milz wird durch die Drehung mitgezogen. Eine schnelle Diagnose und ein umgehender tierärztlicher Eingriff sind deshalb essenziell, um das Leben deines Hundes zu retten.

Symptome und Warnsignale erkennen

Das frühzeitige Erkennen der Symptome ist entscheidend, um rasch handeln zu können. Die typische Kombination sind plötzliche Unruhe, ein sichtbar aufgeblähter, harter Bauch und erfolgloses Würgen, bei dem nichts oder nur weißer Schaum hochkommt. Diese drei Zeichen zusammen sind ein Notfall, auch wenn dein Hund ansonsten noch ansprechbar wirkt.

Unruhe und Schmerz

Wenn du bemerkst, dass dein Hund sich ungewöhnlich verhält, unruhig ist oder Anzeichen von Schmerzen zeigt, etwa durch starkes Winseln oder Zittern, könnte das der erste Hinweis auf eine Magendrehung sein. Typisch ist ein Hund, der nicht zur Ruhe kommt: Er steht auf, legt sich hin, steht wieder auf, läuft hin und her und findet keine Position. Manche nehmen die sogenannte Gebetsstellung ein, also Vorderkörper tief, Hinterteil hoch.

Aufgeblähter Bauch und erfolgloses Erbrechen

Ein deutlich aufgeblähter Bauch und das vergebliche Versuchen zu erbrechen sind typische Symptome. Ignoriere diese Warnsignale keinesfalls, sondern suche sofort tierärztliche Hilfe. Der Bauch fühlt sich hinter den Rippen prall und trommelartig an. Beim Würgen kommt nichts hoch, weil der Mageneingang durch die Drehung verschlossen ist. Genau dieses Zeichen unterscheidet eine Magendrehung von einer normalen Magenverstimmung.

Atemnot und Schwäche

Fortschreitende Symptome wie Atemnot und Kreislaufprobleme deuten auf einen kritischen Zustand hin. Zögere in solchen Fällen nicht und kontaktiere sofort eine Tierklinik. Weitere Zeichen des beginnenden Schocks sind starkes Hecheln, blasse oder bläuliche Schleimhäute, ein sehr schneller, schwacher Puls und schließlich der Zusammenbruch.

Wie schnell entwickeln sich die Symptome?

Sehr schnell. Von den ersten Anzeichen bis zum Kreislaufversagen können wenige Stunden vergehen, in schweren Fällen weniger. Es gibt keine Phase, in der man abwarten kann, ob es von allein besser wird. Wenn du nachts unsicher bist, ob es sich lohnt, die Notdienstklinik zu rufen: Es lohnt sich immer. Ein Fehlalarm kostet eine Nacht, ein verpasster Notfall kostet den Hund.

Gibt es eine leichte Magendrehung beim Hund?

Nein. Eine Magendrehung ist immer ein chirurgischer Notfall, es gibt keine milde Verlaufsform, die man zu Hause beobachten könnte. Diese Frage wird trotzdem sehr häufig gestellt, und dahinter steckt eine berechtigte Beobachtung: Es gibt tatsächlich ein verwandtes Krankheitsbild, das weniger dramatisch verläuft.

Gemeint ist die reine Magendilatation, also eine Aufgasung des Magens ohne Drehung. Der Magen bläht sich auf, die Blutversorgung bleibt aber erhalten, weil er sich nicht verdreht hat. Diese Hunde zeigen ähnliche Symptome, aber der Verlauf ist deutlich weniger dramatisch. Das Problem für dich als Halterin oder Halter: Von außen sind beide Zustände nicht unterscheidbar. Ob sich der Magen gedreht hat oder nur aufgebläht ist, zeigt erst das Röntgenbild in der Klinik. Und eine Aufgasung kann jederzeit in eine Drehung übergehen.

Praktisch heißt das: Behandle jeden Verdacht wie eine Magendrehung. Die Vorstellung, dass es „nur eine leichte" sein könnte und man deshalb bis morgen warten kann, ist der häufigste und teuerste Denkfehler bei diesem Thema.

Aufgeblähter Bauch beim Hund: wann ist es eine Magendrehung?

Ein aufgeblähter Bauch ist nicht automatisch eine Magendrehung, aber er ist immer ein Grund, genau hinzuschauen. Entscheidend sind zwei Fragen: Kam es plötzlich, und geht es dem Hund dabei schlecht? Ein Bauch, der über Wochen dicker geworden ist, während der Hund fit bleibt, ist etwas anderes als ein Bauch, der innerhalb einer Stunde anschwillt.

  • Plötzlich aufgebläht plus Unruhe plus erfolgloses Würgen: Verdacht auf Magendrehung, sofort in die Klinik.
  • Plötzlich aufgebläht, Hund aber munter und rülpst normal: meist eine harmlose Aufgasung nach zu hastigem Fressen. Trotzdem beobachten und bei Verschlechterung sofort losfahren.
  • Langsam zunehmender Bauchumfang über Wochen: spricht eher für Bauchwasser, eine Lebererkrankung, Morbus Cushing, Übergewicht oder bei unkastrierten Hündinnen für eine Gebärmutterentzündung. Das gehört zeitnah untersucht, ist aber kein Nachtdienst-Fall.
  • Aufgeblähter Bauch beim Welpen mit dickem Bauch und stumpfem Fell: häufig ein starker Wurmbefall.

Die Faustregel: Ein dicker Bauch mit einem gut gelaunten Hund darf bis zum nächsten Werktag warten. Ein dicker Bauch mit einem Hund, der nicht zur Ruhe kommt, nicht.

Erste Hilfe: was du sofort tun musst

Sollte es zu einem Notfall kommen, ist es wichtig, ruhig zu bleiben und sofort zu handeln. Deine Aufgabe besteht aus genau drei Dingen: anrufen, transportieren, dokumentieren. Alles andere kostet Zeit, die dein Hund nicht hat.

  1. Sofortiger Tierarztbesuch: Bei Verdacht auf eine Magendrehung ist der Weg in die Klinik der wichtigste Schritt. Ruf vorab an, um den Notfall zu melden, damit dort bereits alles vorbereitet ist. Sag ausdrücklich „Verdacht auf Magendrehung", das löst in jeder Klinik sofort den richtigen Ablauf aus.
  2. Beruhigen und stabilisieren: Versuche, deinen Hund so ruhig wie möglich zu halten. Eine stressfreie Umgebung hilft, den Zustand nicht weiter zu verschlechtern. Vermeide dabei Berührungen am Bauch, um zusätzliche Schmerzen zu vermeiden.
  3. Transportvorbereitung: Bereite den Transport so vor, dass dein Hund möglichst wenig Stress erfährt. Nutze eine weiche Unterlage und sorge für eine stabile Lagerung, um weitere Komplikationen zu vermeiden. Trage große Hunde zu zweit, statt sie laufen zu lassen.

Notfall-Checkliste bei Verdacht auf Magendrehung

Auf keinen Fall

  • ❌ Abwarten, ob es von allein besser wird
  • ❌ Wasser oder Futter anbieten
  • ❌ Erbrechen auslösen
  • ❌ Auf den Bauch drücken oder massieren
  • ❌ Hausmittel, Öl oder entschäumende Tropfen geben
  • ❌ Den Hund selbst laufen lassen

Genau so

  • ✅ Symptome beobachten: Unruhe, Zittern, Winseln, aufgeblähter Bauch, erfolgloses Würgen, Atemnot, Schwäche
  • ✅ Sofort die nächste Tierklinik anrufen und den Verdacht nennen
  • ✅ Symptome am Telefon präzise schildern
  • ✅ Weiche Unterlage, stabile Lagerung, ruckartige Bewegungen vermeiden
  • ✅ Notieren, wann die Symptome zum ersten Mal auftraten
  • ✅ Festhalten, was zuletzt gefressen wurde und wann

Behandlung: warum nur eine Operation hilft

Eine Magendrehung wird operiert. Es gibt kein Medikament, kein Hausmittel und keine Lagerung, die den verdrehten Magen zurückdreht. In der Klinik läuft die Behandlung in zwei Schritten ab: Zuerst wird der Kreislauf stabilisiert und der Druck aus dem Magen genommen, dann folgt die Operation.

  1. Stabilisierung: Der Hund bekommt großvolumige Infusionen und Schmerzmittel, weil er sich im Schock befindet. Parallel wird der Magen entlastet, entweder über eine Sonde durch die Speiseröhre oder über eine dicke Kanüle durch die Bauchwand. Das ist keine Behandlung der Drehung, sondern verschafft Zeit.
  2. Röntgen: Eine Aufnahme in Rechtsseitenlage zeigt, ob sich der Magen tatsächlich gedreht hat. Erst dieses Bild unterscheidet die Drehung von einer reinen Aufgasung.
  3. Operation: Der Bauch wird eröffnet, der Magen zurückgedreht und beurteilt. Bereiche der Magenwand, die bereits abgestorben sind, müssen entfernt werden. Häufig muss auch die Milz entfernt werden, wenn sie durch die Drehung geschädigt ist.
  4. Gastropexie: Zum Abschluss wird der Magen an der Bauchwand fixiert, damit sich das Ganze nicht wiederholt. Dazu unten mehr, denn dieser Schritt ist entscheidend.
  5. Intensivüberwachung: In den ersten 24 bis 72 Stunden nach der Operation sind Herzrhythmusstörungen häufig. Deshalb bleibt der Hund stationär.

Die Prognose hängt vor allem von zwei Dingen ab: wie viel Zeit bis zur Operation vergangen ist und wie stark die Magenwand geschädigt wurde. Die Sterblichkeit nach der Operation liegt laut der Fachliteratur bei 10 bis 33 %. Das klingt hoch, und es ist hoch. Genau deshalb entscheidet die Stunde zwischen dem ersten Symptom und dem Anruf so viel.

10 bis 33 %
Sterblichkeit nach der Operation, trotz Behandlung
bis zu 80 %
Rückfallrate, wenn keine Gastropexie durchgeführt wird
unter 5 %
Rückfallrate nach wirksamer Gastropexie

Ursachen und Risikofaktoren

Die genauen Ursachen der Magendrehung beim Hund sind noch nicht vollständig geklärt. Dennoch sind mehrere Risikofaktoren gut dokumentiert, und sie teilen sich in zwei Gruppen: solche, die im Hund selbst liegen und die du nicht ändern kannst, und solche, die im Alltag liegen und an denen du drehen kannst.

Faktoren, die im Hund liegen

  • Genetische Veranlagung und Rasse: Tiefbrüstige Hunde wie Deutsche Doggen oder Weimaraner sind besonders anfällig. Oft spielt hier eine genetische Disposition eine Rolle, weshalb bei diesen Rassen besondere Aufmerksamkeit geboten ist.
  • Körperbau: Ausschlaggebend ist das Verhältnis von Brustkorbtiefe zu Brustkorbbreite. Je tiefer und schmaler der Brustkorb, desto höher das Risiko.
  • Verwandte mit Magendrehung: Eine Magendrehung bei einem Verwandten ersten Grades gilt als eigenständiger Risikofaktor.
  • Wesen: Nervöse, ängstliche und aggressive Hunde haben laut Fachliteratur ein erhöhtes Risiko.
  • Alter: Das Risiko steigt mit zunehmendem Alter.

Faktoren, die im Alltag liegen

  • Große Einzelportionen: Ein zu großer Futtervorrat oder das Füttern großer Mengen auf einmal kann den Magen überlasten.
  • Fütterung nur einmal täglich: gilt als eigenständiger Risikofaktor. Zwei kleinere Mahlzeiten sind die sicherere Variante.
  • Hastiges Fressen: Schnelles Fressen und das Verschlucken von Luft während der Nahrungsaufnahme belasten den Magen zusätzlich.
  • Fett oder Öl unter den ersten vier Zutaten: Auch das wird in der Fachliteratur als Risikofaktor genannt. Ein Blick auf die Zutatenliste kostet nichts.
  • Körperliche Aktivität nach dem Fressen: Intensive Bewegung unmittelbar nach der Mahlzeit kann das Risiko erhöhen. Es ist daher sinnvoll, nach dem Fressen für eine gewisse Zeit ruhige Aktivitäten einzuplanen.
  • Stress und Angst: Stressige Situationen, etwa durch Umzüge, Reisen oder laute Umgebungen, können ebenfalls das Risiko steigern.

Zum viel diskutierten erhöhten Napf gibt es keine klare Antwort. Eine systematische Auswertung der vorhandenen Evidenz kam zu dem Schluss, dass es dazu nur zwei Untersuchungen mit widersprüchlichen Ergebnissen gibt und dass die sicherste Empfehlung beim heutigen Kenntnisstand lautet, Risikohunde vom Boden fressen zu lassen.

Welche Rassen sind besonders gefährdet?

Betroffen sind vor allem große und sehr große reinrassige Hunde mit tiefem, schmalem Brustkorb. Die Deutsche Dogge steht in allen Auswertungen an der Spitze, gefolgt von weiteren tiefbrüstigen Rassen. Kleine Hunde können ebenfalls eine Magendrehung bekommen, es ist aber deutlich seltener.

  • Deutsche Dogge
  • Weimaraner
  • Deutscher Schäferhund
  • Irish Setter und Gordon Setter
  • Bernhardiner
  • Dobermann
  • Boxer
  • Windhunde, etwa Barsoi und Irish Wolfhound
  • Großpudel

Wenn du einen Hund aus dieser Gruppe hast, lohnt sich der Blick in unser Rasseportrait zum Deutschen Schäferhund. Und, deutlich wichtiger: Sprich beim nächsten Termin das Thema Gastropexie an, dazu unten mehr.

Portionsgröße ist ein belegter Risikofaktor

Welches Futter passt zu deinem Hund?

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Vorbeugen: was wirklich hilft

Vorbeugen heißt beim Thema Magendrehung: das Risiko senken, nicht ausschließen. Es gibt keine Fütterung, keine Rezeptur und keine Routine, die eine Magendrehung sicher verhindert. Was es gibt, sind Maßnahmen, die das Risiko nachweislich beeinflussen, und eine Operation, die es fast auf null bringt.

Angepasste Fütterung

Biete deinem Hund kleinere, häufigere Mahlzeiten anstatt einer großen Portion an. Zwei Mahlzeiten täglich sind bei Risikohunden das Minimum, drei sind besser. Langsames Fressen hilft, den Magen nicht zu überlasten. Antischlingnäpfe, Futtermatten oder spezielle Futterspender können hierbei sehr unterstützend wirken. Eine ausführliche Einordnung zu Mengen und Zeiten findest du in unserem Fütterungsguide für Hunde.

Ruhige Umgebung nach dem Fressen

Nach jeder Mahlzeit sollte dein Hund die Möglichkeit haben, sich zu entspannen. Vermeide intensive Aktivitäten unmittelbar nach dem Essen und sorge für einen ruhigen Platz zum Ausruhen. Bewährt hat sich die Reihenfolge Spaziergang, Pause, Fressen, Ruhe, statt Fressen und danach raus.

Stressmanagement

Stress ist ein Risikofaktor. Schaffe ein stressarmes Umfeld und plane regelmäßige, entspannte Spaziergänge sowie feste Ruhezeiten ein, um den Stresspegel zu senken. Besonders relevant ist das bei ängstlichen Hunden, weil bei ihnen zwei Risikofaktoren zusammenkommen.

Regelmäßige Tierarztbesuche

Beobachte deinen Hund genau und lass ihn regelmäßig untersuchen. Frühzeitige Erkennung von Veränderungen im Verhalten oder Fressverhalten kann lebensrettend sein. Nutze den jährlichen Termin außerdem, um bei einer Risikorasse einmal aktiv über die Gastropexie zu sprechen.

Große Einzelportionen sind ein Risikofaktor: Der Futterrechner zeigt dir die Tagesration, die du dann auf zwei oder drei Mahlzeiten aufteilst.
Zum Futterrechner

Gastropexie: die vorbeugende Operation

Die Gastropexie ist die einzige Maßnahme, die eine Magendrehung fast vollständig verhindert. Dabei wird der Magen operativ an der Bauchwand fixiert, sodass er sich nicht mehr um seine Achse drehen kann. Aufgasen kann er weiterhin, sich verdrehen nicht mehr. Genau diese Drehung ist der lebensbedrohliche Teil.

Die Zahlen sind eindeutig. Ohne Gastropexie kommt eine Magendrehung bei bis zu 80 % der betroffenen Hunde erneut, mit einer wirksamen Gastropexie liegt die Rate unter 5 %. In einer Auswertung von 766 Hunden mit prophylaktischer Gastropexie entwickelte keiner der 446 Hunde mit Langzeit-Nachuntersuchung später eine Magendrehung oder Magenaufgasung.

Wann kommt eine vorbeugende Gastropexie infrage?

  • Bei Risikorassen, häufig kombiniert mit der Kastration, damit nur eine Narkose nötig ist
  • Bei Hunden mit einem Verwandten ersten Grades, der eine Magendrehung hatte
  • Nach einer überstandenen Magendrehung, wo sie ohnehin Teil der Notoperation sein sollte

Und die andere Seite der Rechnung: In derselben Auswertung lag die Gesamtkomplikationsrate bei 14,4 %, überwiegend oberflächliche Wundinfektionen. Schwere Komplikationen, die eine erneute Operation nötig machten, traten bei 2,9 % auf, und direkt auf die Gastropexie zurückzuführende Komplikationen bei 0,4 %. Es ist also ein Eingriff mit Risiko, aber mit einem sehr günstigen Verhältnis, wenn dein Hund zur Risikogruppe gehört. Ob er sich für deinen Hund lohnt, entscheidest du gemeinsam mit deiner Tierärztin.

Tipps für den Alltag

Aus meiner Erfahrung als Tierärztin weiß ich, wie wichtig präventive Maßnahmen sind. Die Magendrehung beim Hund ist kein Thema, das man auf die leichte Schulter nehmen sollte. Dennoch gibt es viele praktische Tipps, die du direkt in deinen Alltag integrieren kannst.

Beobachte das Fressverhalten

Achte darauf, wie schnell dein Hund frisst. Nutze Futtermatten oder spezielle Futterspender, wenn du feststellst, dass dein Hund zu hastig frisst. Diese Maßnahmen helfen, den Magen zu entlasten und das Risiko zu senken.

Etabliere eine feste Routine

Eine klare Fütterungs- und Bewegungsroutine reduziert nicht nur den Stress, sondern gibt deinem Hund auch Struktur. Plane feste Ruhezeiten nach den Mahlzeiten ein, um dem Magen genügend Zeit zur Verdauung zu geben.

Ernährung individuell anpassen

Jeder Hund ist einzigartig. Beobachte, wie dein Hund auf verschiedene Fütterungszeiten und -mengen reagiert. Solltest du unsicher sein, konsultiere deine Tierarztpraxis. Wichtig zur Einordnung: Keine Futtersorte kann eine Magendrehung verhindern. Was die Fütterung beeinflussen kann, sind Portionsgröße, Anzahl der Mahlzeiten und Fressgeschwindigkeit.

Notfallplan bereithalten

Ein gut durchdachter Notfallplan gibt dir Sicherheit. Speichere die Kontaktdaten der nächstgelegenen Tierklinik mit Nachtdienst in deinem Handy und informiere dich über die Symptome, sodass du in einer Notfallsituation schnell handeln kannst.

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FAQ

Wie erkenne ich frühzeitig eine Magendrehung?

Achte auf die typische Kombination aus plötzlicher Unruhe, einem sichtbar aufgeblähten, harten Bauch und erfolglosem Würgen, bei dem nichts oder nur weißer Schaum hochkommt. Dazu kommen oft Winseln, Zittern, starkes Hecheln und später Atemnot und Schwäche. Jede Veränderung im Verhalten oder in der Fressroutine sollte ernst genommen werden.

Gibt es eine leichte Magendrehung beim Hund?

Nein, eine Magendrehung ist immer ein chirurgischer Notfall. Es gibt allerdings die reine Magendilatation, also eine Aufgasung ohne Drehung, die weniger dramatisch verläuft. Von außen sind beide nicht unterscheidbar, das zeigt erst das Röntgenbild. Eine Aufgasung kann außerdem jederzeit in eine Drehung übergehen. Behandle deshalb jeden Verdacht wie eine Magendrehung.

Welche Hunderassen sind besonders gefährdet?

Vor allem große und sehr große Rassen mit tiefem, schmalem Brustkorb: Deutsche Dogge, Weimaraner, Deutscher Schäferhund, Irish und Gordon Setter, Bernhardiner, Dobermann, Boxer, Windhunde und Großpudel. Entscheidend ist das Verhältnis von Brustkorbtiefe zu Brustkorbbreite. Kleine Hunde können ebenfalls betroffen sein, es ist aber deutlich seltener.

Wie wird eine Magendrehung behandelt?

Ausschließlich operativ. Zuerst wird der Kreislauf mit Infusionen stabilisiert und der Druck aus dem Magen genommen, dann bestätigt ein Röntgenbild die Diagnose. In der Operation wird der Magen zurückgedreht, geschädigtes Gewebe entfernt, häufig auch die Milz, und der Magen anschließend an der Bauchwand fixiert. Danach folgt eine Intensivüberwachung von 24 bis 72 Stunden.

Wie hoch sind die Überlebenschancen?

Die Sterblichkeit nach der Operation liegt laut Fachliteratur bei 10 bis 33 %. Entscheidend sind die Zeit bis zur Operation und der Zustand der Magenwand. Je früher ein Hund in der Klinik ist, desto besser die Prognose. Genau deshalb sollte man bei Verdacht nie abwarten.

Was ist eine Gastropexie und wann ist sie sinnvoll?

Bei der Gastropexie wird der Magen operativ an der Bauchwand fixiert, sodass er sich nicht mehr drehen kann. Ohne sie kommt eine Magendrehung bei bis zu 80 % der betroffenen Hunde wieder, mit ihr liegt die Rate unter 5 %. Vorbeugend ist sie bei Risikorassen sinnvoll, oft kombiniert mit der Kastration, und bei Hunden mit einem Verwandten ersten Grades, der eine Magendrehung hatte.

Kann die richtige Ernährung das Risiko senken?

Die Fütterung beeinflusst das Risiko, sie schließt eine Magendrehung aber nie aus. Belegte Risikofaktoren sind große Einzelportionen, Fütterung nur einmal täglich, hastiges Fressen und Fett oder Öl unter den ersten vier Zutaten. Zwei bis drei kleinere Mahlzeiten, ein Antischlingnapf und Ruhe nach dem Fressen sind deshalb sinnvoll. Eine bestimmte Futtersorte kann eine Magendrehung dagegen nicht verhindern.

Unser Fazit

  1. Eine Magendrehung ist immer ein Notfall. Bei Verdacht fährst du sofort los und rufst unterwegs an.
  2. Das Leitsymptom-Trio: plötzliche Unruhe, aufgeblähter harter Bauch, erfolgloses Würgen ohne Erbrechen.
  3. Eine leichte Magendrehung gibt es nicht. Was es gibt, ist die Aufgasung ohne Drehung, und die erkennt nur das Röntgenbild.
  4. Behandelt wird ausschließlich operativ. Es gibt kein Hausmittel und keine Lagerung, die hilft.
  5. Die Sterblichkeit liegt trotz Behandlung bei 10 bis 33 %. Der wichtigste Einflussfaktor ist die verstrichene Zeit.
  6. Ohne Gastropexie kehrt eine Magendrehung bei bis zu 80 % der Hunde wieder, mit ihr bei unter 5 %.
  7. Risikofaktoren im Alltag: große Portionen, nur eine Mahlzeit am Tag, hastiges Fressen, Toben direkt nach dem Fressen, Stress.
  8. Bei Risikorassen lohnt das Gespräch über eine vorbeugende Gastropexie, am besten zusammen mit der Kastration.
  9. Und der Tipp, der heute Abend fünf Minuten kostet: Nummer der Nachtdienstklinik ins Handy. 🐾

Quellen

Über die Autorin

Helena Bröring-Veith - Med. Vet. ist Tierärztin im HEY HOLY Team. Sie hat an der Tierärztlichen Hochschule Hannover studiert und mehrere Jahre in einer Kleintierklinik praktiziert. Bei HEY HOLY verantwortet sie als fachliche Reviewerin die Inhalte rund um Tiergesundheit und Ernährung. Mehr über das Team und unsere wissenschaftliche Arbeit findest du auf der Seite Über uns.